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Frag' den Pater
Es antwortet Pater Bernd Hagenkord SJ

Sendung vom 21. Februar 2010

 

Kardinalswürde für Zollitsch und Marx?
Nur schwarze Priesterkleidung?
Falschmeldungen zur Kirche
Vertrauen in die Kirchenleitung
Gesundheit des Papstes
So genannte katholische Websites

 

Andreas Rinderer stellt eine ganze Reihe von Fragen zu Bischöfen und Bistümern. So fragt er, ob es möglich sei, das erloschene Bistum Konstanz in Baden-Würtemberg wieder zum Titularbistum zu erheben. Er fragt auch, ob die deutschen Bischöfe Marx von München Freising und Zollitsch von Freiburg noch in diesem Jahr zu Kardinälen erhoben werden und wie die Aussichten dafür sind.

Bischöfe und Kardinäle – ein schwieriges Thema. Aber fangen wir mit dem Einfachen an: kann Konstanz wieder ein Bistum werden, und zwar ein Titularbistum? Titularbistümer sind Bistümer, die es quasi nur noch auf dem Papier gibt. Ein Bischof empfängt seine Weihe ja für ein Bistum. Also braucht man – wenn man Weihbischöfe haben will – Bistümer, denen es sozusagen nichts ausmacht, dass ihr Bischof nie zu Hause ist. Meistens sind das längst erloschene oder nach der Eroberung Afrikas verwaiste Wüstenoasen oder Bergdörfer Anatoliens, wo es keine katholischen Christen mehr gibt. Der Vorschlag lautet also, einen Bischof pro forma zum Bischof von Konstanz zu ernennen, aber das Bistum als solches gar nicht zu errichten. Das geht nach unserem Recht leider nicht. Jeder Bischof hat – und das aus gutem Grund – die sogenannte Residenzpflicht. Das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert wollte abschaffen, dass es zwar Bischöfe gab, die das Geld einer Diözese einsteckten, sich dort aber nie sehen ließen. Also wurden Vorschriften erlassen, dass ein Bischof in seinem Bistum leben muss. Bei den Wüstenoasen ist das nicht wichtig, da wird ja niemand vernachlässigt und außerdem gibt es da auch keine Reichtümer, die sich ein Bischof in die Tasche stecken könnte wie früher. Außerdem: Wenn Konstanz wieder Bistum würde, ohne Bistum zu sein, wohin gehören denn dann die Pfarreien? Nein, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Historische Gründe oder vielleicht auch sentimentale Gründe sprechen vielleicht dafür, aber unsere Kirchenordnung ist da ganz klar.
Was die Verleihung der Kardinalswürde an die Erzbischöfe Zollitsch und Marx angeht: darüber gibt es viel Spekulation. Grundsätzlich gibt es keine Regeln für die Ernennung von Kardinälen, das entscheidet der Papst. Aber es gibt natürlich Gewohnheiten. Eine Gewohnheit zum Beispiel ist, keinen Kardinal für ein Bistum zu ernennen, in dem der Vorgänger noch am Leben ist und auch Kardinal ist. Bei München wäre das etwa der Fall. Manchmal wird diese Regel aber auch gebrochen. Und dann gibt es da Zahlenspiele: im Augenblick gibt es 111 Kardinäle mit aktivem Wahlrecht bei der Papstwahl und die Zahl nimmt ab, denn die Kardinäle werden ja älter und mit 80 endet das Wahlrecht. 120 Wahlberechtigte soll es geben, so hat es Johannes Paul festgelegt. Wollte der Papst allen Bischöfen von Bistümern, die normalerweise einen Kardinal haben aber im Augenblick nicht, den Kardinalshut geben und außerdem den Chefs der vatikanischen Ministerien und anderer Ämter, bei denen das normalerweise der Fall ist, dann sind wir schnell bei fast 40 Kardinälen, die der Papst ernennen müsste. Das wird er – zumindest in diesem Jahr – nicht tun. Wer genau auf der Liste für dieses Konsistorium steht, ist nicht bekannt. Da warten wir selber noch.

Gundula Marquard aus Berlin möchte wissen, warum man unter „Priesterkleidung“ vor allem einen schwarzen Anzug versteht. Der besonderer Kragen der Priester sei als Erkennungssignal ja verständlich, aber warum müssen die Anzüge schwarz sein? Wie lautet die Vorschrift?

Ich vermute fast, dass es da keine Vorschrift gibt. Jedenfalls ist mir in meinem Priesterleben noch keine begegnet. Und hier in Rom gibt es Priesterhemden auch in anderen Farben zu kaufen, in blau etwa oder grau, es kann also nicht allzu streng sein.
Warum also schwarz oder zumindest dunkel? Ich vermute, dass das mit früher zusammenhängt. Studenten der Theologie trugen seit Entstehung der großen Universitäten in den Städten eigene Trachten. An angelsächsischen Universitäten in den USA und Großbritannien ist das immer noch so. Und dazu trug man einen schwarzen Rock. Daraus bildete sich dann die Soutane: um zu zeigen, dass man Theologie studiert hatte. Und als die Soutane dann aus der Mode kam, hielt sich die Farbe bei der Kleidung, bzw Farben, die in der Nähe von Schwarz liegen.
Also: es gibt nicht wirklich – außerhalb der Ordensgemeinschaften, die ein Ordensgewand kennen – keine Vorschriften für die Farbe.

Herr Hubert Langthaler beschwert sich über viele Falschmeldungen, die in den Medien über den Glauben verbreitet würden. In Zeitungen – vor allem in denen mit den großen Buchstaben – stünden vor allem zu Festen viel Unsinn. Sätze wie „zur Geburt Jesu lag in Bethlehem kein Schnee – sie war wohl eher im Sommer“ seien lächerlich. Warum arbeitet der Vatikan mit solchen Journalisten zusammen?

Das ist wohl ein Kommentar über die Qualität des Journalismus, bzw über das Fehlen derselben. Sie haben Recht, manchmal ist das, was über Kirche, Glauben, Papst, Priestertum etc geschrieben und gesendet wird, von keinerlei Kenntnis getrübt. Oder schlicht falsch und lächerlich, wie das Schnee-Zitat, dass ich selber auch gelesen habe.
Warum wir und warum wir mit solchen Journalisten zusammenarbeiten? Weil sie nun einmal Teil unserer Medienwelt sind. Es gibt Fernsehsendungen, Zeitungen, Shows, die sind an Niveau kaum zu unterbieten und unterstellen Dinge oder arbeiten mit Halbwissen. Wenn niemand mehr diese Dinge ansehen oder kaufen würde, seien Sie sicher, sie würde morgen eingestellt. Wenn Ihnen also die Berichterstattung nicht passt: wechseln Sie das Medium. Das ist die einzige Sprache, die verstanden wird. Denn Sie dürfen ja nicht vergessen: Zeitungen – nur um ein Beispiel zu nennen – sind ja nicht gemeinnützig, sie sollen verkauft werden. Kaufen Sie das Produkt nicht und machen es andere genauso, wird es sich ganz schnell ändern.

Einige Fragen erreichen uns zu den Missbrauchsfällen, die in den letzten Wochen in Deutschland publik wurden. Neben sehr viel Unmut darüber, dass es überhaupt vorkommen konnte und neben vielen mails, die der Untersuchung und Aufklärung zustimmen, gibt es aber auch Kritik. So sei die Kirche und besonders die Leitung der Kirche gar nicht mehr glaubwürdig genug, diese Probleme nach Jahren aufgreifen und lösen zu wollen.

Da bin ich selber noch nicht entschieden. Zum einen möchte ich ihnen sofort Recht geben. Zum anderen: die Bischöfe haben 2002 Richtlinien erlassen; wenn es die nicht gegeben hätte, wären wir heute ganz woanders, die Aufklärung, wie wir sie im Augenblick erleben, wäre gar nicht möglich.
Ich habe letzte Woche die Pressekonferenz der irischen Bischöfe erlebt. Einige Bischöfe sagten wiederholt, dass sie Fehler gemacht hätten, individuell aber auch insgesamt, als Bischöfe. Ihre Frage lautet also, ob sie nicht in Analogie zu Politikern die Verantwortung übernehmen und zurücktreten sollten. Oder ob sie aus den Fehlern lernen und mit den Dingen, die sie umgeben, umgehen müssen. Solang kein Bischof aktiv weggesehen hat wie etwa die Weihbischöfe von Dublin, die dem Papst jetzt ihren Rücktritt angeboten haben, bin ich selbst bereit, erst einmal Vertrauen zu haben in die Aufklärung und den Schutz und das Verbessern – wo nötig – der bestehenden Mechanismen zum Schutz und zur Aufklärung.

Herr Deppe fragt auch nach der gesundheitlichen Verfassung des Papstes. Nimmt ihn das Leben als Papst sehr mit und geht es ihm gesundheitlich gut?

Das weiß ich nicht. Wirklich häufig bekommen wir ihn ja auch nicht direkt zu Gesicht. Für sein Alter und sein Arbeitspensum sieht er aber ziemlich fit aus, finde ich. Er bewegt sich auch so. Sein Tagesablauf ist dementsprechend rigide: keine Abendtermine, oder nur dann, wenn es nicht anders geht, leichtes Mittagessen und nicht Unmengen von Pasta in Sahnesoße, jeden Tag, komme was wolle, einen Spaziergang und so weiter. Ein Papst muss sich schützen, dass hat er gelernt. Seinem Vorgänger ist es in dieser Hinsicht ja schlecht ergangen, Johannes Paul II. war Sportler, Skifahrer und Wanderer. Und doch hat sein Körper zum Schluss den ungeheuren Kraftaufwand nicht mehr mitgemacht. Das macht Benedikt anders.

Herr Blank fragt nach den Webseiten, die sich selbst katholisch nennen, von denen sich zum Glück aber die deutschen und österreichischen Bischofskonferenzen eindeutig distanziert haben. Dort würde massiv Antisemitismus verbreitet und unter der Gürtellinie gesprochen und geurteilt. Er selber habe nachgefragt, warum sich die Piusbruderschaft nicht von diesen Seiten distanziere, und die Antwort erhalten, dort stünden doch auch gute Sachen. Was halten sie von diesen Seiten und wie sollte man damit umgehen?

Da sprechen Sie eines meiner Lieblingsthemen an. In ihrer mail an uns nennen Sie diese Seiten, aber ich werde sie hier nicht wiederholen, denn ich will nicht unsinnigerweise auch noch Werbung machen dadurch, dass ich Neugierde wecke. Wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörern, wissen, wovon ich rede, dann ist das ausreichend. Es gibt Seiten, die sprühen nur so von Hetze, Antisemitismus und anderen Feindlichkeiten. Und daneben gibt es Seiten, die zwar nicht wirklich kriminell sind, die aber immer noch sehr deutlich außerhalb dessen sich bewegen, was ich als zivilisierte Unterhaltung bezeichnen würde. Und sie legen großen Wert darauf, sich als katholisch zu bezeichnen. Und nicht nur dass, sie behaupten meisten auch, die katholische Kirche zu vertreten.
In Wirklichkeit sind das Meinungsseiten. Eine kleine Gruppe erregt Aufmerksamkeit und dadurch Öffentlichkeit dadurch, dass sie zetert und meckert, aber wirklich katholisch ist das nicht. Es geht nicht um Glaube, um Liebe, um Hoffnung, es geht nicht um Gemeinde, um Jesus Christus, um Hilfe, Erbarmen, Gotteslob oder andere Dinge, die wir mit Kirche verbinden. Es geht schlicht um Selbstgerechtigkeit und kleinbürgerliche Machtspiele. Und die deutsche Bischofskonferenz – und übrigens auch andere Kirchenvertreter wie etwa der Leiter des päpstlichen Medienrates Erzbischof Celli – tun gut daran, das auch zu sagen und die Kirche weit entfernt davon zu halten.
Leider kann man einigen dieser Webseiten nicht beikommen, denn sie verstecken sich; es ist nicht klar, wer dahinter steht und feige hält man seinen Namen zurück, um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen für das, was man schreibt.
Und was die Piusbruderschaft angeht: wer sich von solchen Seiten bzw von deren Inhalt nicht klar distanziert, hat in meinen Augen seine Glaubwürdigkeit verloren. Wenn man Ihnen geantwortet hat, dass da auch gute Sachen stünden, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das ist dann das berühmt-berüchtigte Argument von Hitlers Autobahn: damals sei ja auch nicht alles schlecht gewesen.
Meine Bitte: ignorieren Sie diese Seiten. Ich weiß, die Neugierde ist stark und die Versuchung auch und der Ärger natürlich. Aber das einzige, was man dagegen tun kann, ist denen das wegzunehmen, was sie am meisten brauchen: Aufmerksamkeit. Also, in Zukunft ignorieren wir das nicht einmal.






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