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Frag' den Pfarrer
Es antwortet Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

Der Schwabe Pater Eberhard v. Gemmingen ist Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan - und ein bewährter Radio-Seelsorger. Er beantwortet alle Fragen - und recherchiert, wenn es sein muß, auch mal hinter den hohen Mauern des Vatikans genauer nach. Keine Angst- fragen Sie ruhig! "Dumme" Fragen gibt es nicht. Schreiben Sie uns hier.

 

 

Freimaurer

Wir kommen nochmals zurück auf die Frage: darf man heute als Katholik Mitglied der Freimaurer sein? Arthur Herzog schickt uns dazu mehrere Fragen (arthur-herzog@t-online.de)
Die Vorstellungen von Gott und von Erlösung der Freimaurer und der katholischen Kirche widersprechen sich in solcher Weise, dass man als Katholik nicht Mitglied einer Loge sein kann. Es geht also nicht einfach darum, dass die Kirche das verbietet, sondern man kann nicht gleichzeitig ja und nein sagen. Das ist der Grund.
Arthur Herzog fragt aber: Wie konnte Mozart Christliches und Freimaurerisches vereinbaren?
Vielleicht muss die Antwort heißen: ein Genie steht über den Gegensätzen. Oder richtiger: Vielleicht war Mozart ein kein Denker, sondern ein Mensch der Intuition und hat aus beiden Welten das Beste herausgefischt.
Arthur Herzog fragt weiter: Was ist Gutes an der Freimaurerei?
Dass sie sich um die Veredelung des Menschen bemüht, um Ethos, dass Freimaurer sich anstrengen, so sehr, dass sie sich dadurch selbst erlösen wollen. Und genau das lehnt der katholische Glaube ab.
Wenn ein Katholik dennoch Mitglied einer Loge ist, kann sein, dass er sich mit der Theorie der Loge nicht so auseinandersetzt. Aber weil in ihr gar nicht über Religion gesprochen werden darf, besteht einfach die große Gefahr, dass alles Religiöse unterdrückt und vernichtet wird. Automatisch exkommuniziert ist man heute nicht mehr, wenn man in der Loge ist.

Altes Testament

Manchmal stehen in der Bibel Texte, die ganz schön unverständlich sind. Einige davon sind bodo Müller aufgefallen (nachtschwalb@web.de)
Hier ist einer davon "Alle Engel standen rings um den Thron Gottes, um die Ältesten und um die vier Wesen. Seine Fragen: woher stammt dieser Text, wer sind die Ältesten und wer sind die "vier Wesen"?
Dieser Text stammt aus dem letzten Buch des Neuen Testamtes, der Geheimen Offenbarung. Es handelt sich um Visionen von himmlischen Dingen, wodurch es immer etwas schwierig ist, präzise Antworten zu geben, denn die Interpretationen von Fachleuten sind verschieden.
Mit Thron ist der Thron Gottes gemeint. Mit den Ältesten sind vermutlich symbolische Vertreter der Kirche gemeint, die schon in der Ewigkeit angekommen sind. Mit den "vier Wesen" sind vermutlich die vier Evangelisten gemeint oder ihre Symbole, die aus dem Alten Testament kommen, nämlich der Löwe, der als Symbol des Evangelisten Markus kommen, der Adler, Symbol für Johannes, Stier – Symbol für Lukas, und Mensch – Symbol für Matthäus. Soviel zu den vier Wesen am Thron Gottes.
Wie viele Erzengel gibt es?
Genau genommen kann man das nicht sagen, aber es werden in der Bibel drei Erzengel genannt: Gabriel, der Maria die Botschaft von der Menschwerdung Gottes bringt, Michael – er wird im Buch Daniel des AT genannt - der Anführer der Engel, Raffael, der im Alten Testament den Tobias begleitet.
Wie bewegte sich die Schlange, bevor sie der Fluch Gottes traf?
Die Frage setzt voraus, dass die Schlange nur deshalb auf dem Bauch kriecht, weil sie vorher Adam und Eva im Paradies verführt hatte. Diese Voraussetzung ist wohl falsch. Die Schlange als normales Tier hat sich wohl immer auf dem Bauch fortbewegt. Aber der Autor des Textes im Buch Genesis interpretiert, die Fortbewegungsweise der Schlange auf dem Bauch eben als Strafe für die Verfügung der Stammeltern.
Gibt es eigentlich ein Lexikon, in dem man die Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen nachlesen und verstehen kann?
Es gibt verschiedene Nachschlagewerke. Man müsste genauer wissen, was gesucht und gemeint ist. Im Augenblick, in dem man eine Sache etwas genauer studiert, beginnen dann auch die Fragen: was möchtest Du genau wissen. Also so einfach kann man die Frage nicht beantworten. Man sollte in eine gute Buchhandlung gehen.
Wo finde ich die Profeten Ezechiel und Elias?
Beide im Alten Testament. Ezechiel heißt ein eigenes Buch des AT. Elias findet sich hauptsächlich im ersten und zweiten Buch der Könige.
Gibt es im Ausland irgendwo mal ein Jahr der Bibel?
Ist uns nicht bekannt.

Beichte Evangelisch

Unser treuer Hörer Bernd Bickelhaupt (Postfach 12 44 – 64333 Seeheim-Jugenheim) erinnert uns daran, dass es auch in der evangelischen Kirche die Beichte gibt. Er meint, wie hätten da neulich etwas nicht ganz richtig erklärt.
Ja – tatsächlich gibt es auch in der evangelischen Kirche die Beichte. Freilich wird sie nicht als Sakrament bezeichnet, aber der evangelische Christ kann zu einem evangelischen Pfarrer gehen und bei ihm beichten. Leider ist das wohl heute sehr selten. Und vor allem meinen vermutlich viele katholische und auch einige evangelische Christen, dass die Beichte nur eine typisch katholische Sache ist. Aber das ist nicht so. Beichte gibt es auch bei den Evangelischen. Martin Luther ist nach meiner Kenntnis oft zur Beichte gegangen. Aber für ihn gab es als Sakrament nur Eucharistie und Taufe. Man muss zugeben, dass es in der katholischen Kirche auch erst mit dem Konzil von Trient – also nach Martin Luther - eindeutig klar wurde, dass es sieben Sakramente gibt und dass eines davon die Beichte ist.
Vielleicht ist die Beichte für die evangelischen Christen, die tatsächlich beichten, auch manchmal eine ernstere Sache als für manche Katholiken. Denn man geht nicht einfach in einen Beichtstuhl und ist in fünf Minuten wieder fertig, sondern es handelt sich dann schon meist um ein längeres Beichtgespräch. Das gibt es ja heute auch in der katholischen Kirche. Zum Schluß: wir müssen unsere Klischees und Falschinformationen aufgeben und wissen, was in der eigenen und der anderen Kirche wirklich los ist.
Manchmal stehen in der Bibel Texte, die ganz schön unverständlich sind. Einige davon sind bodo Müller aufgefallen (nachtschwalb@web.de)
Hier ist einer davon „Alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und um die vier Wesen. Seine Fragen: woher stammt dieser Text, wer sind die Ältesten und wer sind die „vier Wesen“?
Dieser Text stammt aus dem letzten Buch des Neuen Testamtes, der Geheimen Offenbarung. Es handelt sich um Visionen von himmlischen Dingen, wodurch es immer etwas schwierig ist, präzise Antworten zu geben, denn die Interpretationen von Fachleuten sind verschieden.
Mit Thron ist der Thron Gottes gemeint. Mit den Ältesten sind vermutlich symbolische Vertreter der Kirche gemeint, die schon in der Ewigkeit angekommen sind. Mit den „vier Wesen“ sind vermutlich die vier Evangelisten gemeint oder ihre Symbole, die aus dem Alten Testament kommen, nämlich der Löwe, der als Symbol des Evangelisten Markus kommen, der Adler, Symbol für Johannes, Stier – Symbol für Mathäus, und Mensch – Symbol für Lukas. Soviel zu den vier Wesen am Thron Gottes.
Wie viele Erzengel gibt es?
Genau genommen kann man das nicht sagen, aber es werden in der Bibel drei Erzengel genannt: Gabriel, der Maria die Botschaft von der Menschwerdung Gottes bringt, Michael – er wird im Buch Daniel des AT genannt - der Anführer der Engel, Raffael, der im Alten Testament den Tobias begleitet.
Wie bewegte sich die Schlange, bevor sie der Fluch Gottes traf?
Die Frage setzt voraus, dass die Schlange nur deshalb auf dem Bauch kriecht, weil sie vorher Adam und Eva im Paradies verführt hatte. Diese Voraussetzung ist wohl falsch. Die Schlange als normales Tier hat sich wohl immer auf dem Bauch fortbewegt. Aber der Autor des Textes im Buch Genesis interpretiert, die Fortbewegungsweise der Schlange auf dem Bauch eben als Strafe für die Verfügung der Stammeltern.
Gibt es eigentlich ein Lexikon, in dem man die Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen nachlesen und verstehen kann?
Es gibt verschiedene Nachschlagewerke. Man müsste genauer wissen, was gesucht und gemeint ist. Im Augenblick, in dem man eine Sache etwas genauer studiert, beginnen dann auch die Fragen: was möchtest Du genau wissen. Also so einfach kann man die Frage nicht beantworten. Man sollte in eine gute Buchhandlung gehen.
Wo finde ich die Profeten Ezechiel und Elias?
Beide im Alten Testament. Ezechiel heißt ein eigenes Buch des AT. Elias findet sich hauptsächlich im ersten und zweiten Buch der Könige.
Gibt es im Ausland irgendwo mal ein Jahr der Bibel?
Ist uns nicht bekannt.

Gelübde

Was ist der Unterschied zwischen einfachen und feierlichen Gelübden. So die Frage der beiden Ordensfrauen Gisela und Coletta.
Ich werde versuchen, den Unterschied nicht in kirchenrechtlichen Ausdrücken zu erklären, sondern in Worten, die ich und die Hörerinnen und Hörer verstehen. Ich selbst bin zu wenig firm in Kirchenrecht, sodass ich es gar nicht anders kann.
Um es mal ganz einfach zu sagen: von einfache Gelübde können Ordensmitglieder durch ihre Oberen gelöst werden, von feierlichen können Ordensobere nicht einfach lösen, sondern nur die zuständige kirchliche Autorität, also eine kirchliche Behörde außerhalb und über der Gemeinschaft.
Also wenn z.B. ein Novize oder eine Novizin am Ende des Noviziats nur die einfachen Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams abgelegt hat und sich dann doch wieder von der Gemeinschaft trennen will, dann kann der Provinzobere oder die Oberin von den Gelübden entbinden. Das Ordensmitglied ist nicht mehr an seine Gelübde gebunden. Wenn aber eine Ordensfrau oder ein Ordensmann, die oder der schon feierliche Gelübde abgelegt hat, sich trennen will, muss sein oder ihr Antrag an den Bischof oder gar an den VAtikan gehen. Der Bischof oder die Kongregation für die Ordensleute muss ihn oder sie von den Gelübden befreien. Ob es zum Bischof oder an den VAtikan gehen muss, das hängt davon ab, ob die Gemeinschaft bischöflichen oder päpstlichen Rechts ist.
Wenn bischöflichen Rechts, dann reicht eine Entpflichtung durch die bischöfliche Behörde, sonst muss es eben nach Rom.
Woher kommt dieses etwas kompliziert wirkende Regelwerk?
Die Kirche will, dass in ihr Ordnung herrscht, dass man weiß, woran man ist, dass man die Menschen in der Kirche richtig einordnen kann. Es kommt dazu, dass solche Ordensgelübde ja auch in der Öffentlichkeit der Kirche abgelegt werden. Es gibt ja auch Privatgelübde, wobei jemand einfach gegenüber seinem oder ihrem Seelenführer dies oder jenes verspricht und er es entgegennimmt. Niemand weiß davon außer die beiden. Ordensgelübde sind eine öffentliche Sache, die Kirchenöffentlichkeit weiß darum, die Mitchristen verlassen sich darauf, dass der oder diese Ordensmitglied ist. Ordenszugehörigkeit ist keine Privatsache. Daher gibt es Spielregeln. Wer also z.B. seine Ordensgemeinschaft einfach verläßt, ohne sich von den Gelübden befreien zu lassen, der wird dafür nicht vom Staat bestraft. Es ist keine Straftat. Aber es kann sein, dass die Person sich dadurch automatisch von den Sakramenten ausschließt.
Noch ein letztes Wort zum bischöflichen oder päpstlichen Recht: kleinere Gemeinschaften sind gewöhnlich bischöflichen REchts. Das heißt, dass ihre Regeln nur vom Bischof gebilligt sind, nicht vom Papst. Warum will oder muss ein Bischof oder ein Papst Ordensregeln billigen? Weil das Charisma eines Ordnesgründers der ganzen Kirche gegeben ist und sie Mitverantwortung dafür trägt, dass es nicht verloren geht. Beispiel: Das Charisma der Franziskaner soll nicht verloren gehen, denn es ist von Gott an den heiligen Franziskus aber für die ganze Kirche geschenkt. Wenn also z.B. ein Generalkapitel der Franziskaner beschließen würde, wir lösen die Gemeinschaft jetzt auf, dann könnte der Paspt sagen: nein, das erlaube ich nicht. Oder einfacher: wenn das Kapitel sagen würde, ab jetzt dürfen alle Franziskaner heiraten, auch dann könnte der Papst sagen: das geht nicht, das widerspricht dem Charisma des Heiligen Franziskus. Das bedeutet, dass eine Gemeinschaft päpstlichen Rechts ist. Eine Ordensgemeinschaft gehört nicht einfach nur sich selbst, sondern sie gehört der Kirche. Die Kirche sagt ja auch: wenn ihr euch der oder jener GEmeinschaft anschließt, dann seid ihr auf dem rechten Weg zu Gott. Die Kirche prüft und billigt das Ordenscharisma, denn es gibt bekanntlich in der Kirche auch fromme Spinner, deren Ideen dann die Kirche hoffentlich nicht billigt oder anerkennt.
Soviel zu den einfachen und feierlichen Gelübden.

Heiligsprechung Evangelisch

Wie steht es eignetlich um die Heiligsprechung von evangelischen Christen, So die Frage von Dr. Wilhelm Müller aus München (Orionstr. 6, 85716 Schleißheim)
Also sicher gäbe es evangelische Christen, die es verdienen würden selig oder heilig gesprochen zu werden. Der bekannteste wäre sicher Dietrich Bonhoeffer. Aber nicht nur ihn. Aber in der evangelischen Kirche gibt es ja – wie bekannt – keine Selig- und Heiligsprechungen. Und die katholische Kirche würde einen großen Fehler machen, wenn sie Nicht-Katholiken selig- oder heilig sprechen würde. Denn sie würde sich damit in das Leben und Denken einer anderen Kirche einmischen und das sollte sie sicher nicht tun. Auch wurde schon vorgeschlagen, den Hindu Mahatma Gandhi heilig zu sprechen. Auch das ist strikt abzulehnen. Denn – auch wenn wir Gandhi äußerst hoch schätzen – sollten wir ihn den Hindus nicht gleichsam wegnehmen. Eine Selig- oder Heiligsprechung würde nämlich vermutlich so verstanden.

In Versuchung führen

Es gibt immer wieder nachdenkliche Menschen, die Schwierigkeiten haben, im Vater unser zu beten: Führe uns nicht in Versuchung. Sie fragen: wie kann Gott den Menschen in Versuchung führen? So auch Brigitta Brosch (rudolfbro@gmx.de)
Gott führt uns nicht aktiv in Versuchung, sodass er uns der Gefahr zur Sünde aussetzt. Man kann auch übersetzen: sei bei uns in der Versuchung, lass uns nicht in Versuchung fallen. Dies ist ein deutliches Beispiel dafür, dass man die Bibel manchmal nicht wörtlich, wohl aber beim Wort nehmen muss.

Katholiken und Protestanten

Wie unterscheiden sich Katholiken und Protestanten im täglichen Leben. Arndt Ulrich aus Stuttgart schickt uns eine Reihe von Fragen. Wir können nur auf einige von ihnen eingehen. Welcher Glaube ist fröhlicher – so lautet die erste Frage (ulrich-arndt@web.de) Ihm scheint die evangelische Kirche ein weniger düsterer, weniger fröhlich und eher bedacht auf Pflichterfüllung.
Vielleicht kann man so unterscheiden: die katholische Kirche wird als strenger wahrgenommen, aber in ihrem Gottesdienst fröhlicher, barocker.
Evangelische werden mehr auf ihr Gewissen verwiesen, weshalb sie dann manchmal ernster sind.
Kann man sagen, dass Katholiken durch die Möglichkeit zu beichten leichtfertiger sind als evangelische Christen? Das sagt man ja so.
Manche mögen so sein. Aber etwa bei Südländern kommt die Leichtigkeit vielleicht weniger von ihrem Glauben als von der vielen Sonne und der ganzen Kultur.
Wieso gibt es in der katholischen Kirche manches, was gar nicht auf die Bibel zurückgeht?
Weil die katholische Kirche glaubt, dass der heilige Geist die ganze Kirche führt und begleitet und dass deshalb in der Kirche viel Gutes auch entstanden sind, was nicht direkt aus der Bibel abgleitet werden kann. Jesus hatte ja gesagt: der Geist wird euch lehren. Daran glaubt die katholische Kirche. Das nennt man Tradition. Die Evangelischen haben an dieser Stelle eben nur die Bibel.
Nehmen die Evangelischen heute eigentlich noch die Rechtfertigung allein durch Gnade und Glaube ernster als die Katholiken?
Ich denke, hier glauben Katholiken heute ebenso wie Evangelische. Offiziell ist dies auch so. Aber Papst Benedikt weist wiederholt darauf hin, dass wir ganz anders als Luther nicht mehr so sehr bangen, ob wir in Gottes Gnade sind. Für viele Getaufte ist dies viel gleichgültiger, Gott spielt für sie keine so große Rolle mehr wie er für Luther spielte.
Zum Schluß: wie stehts mit der Ökumene: die Unterschiede scheinen immer deutlicher. Was aber verbindet uns eigentlich?
Die Taufe: dass wir auf Christi Namen getauft sind, in der Dreifaltigkeit, dass wir an die Bibel haben, dass wir an die Erlösung durch Christus glauben. Wenn man es ernst nimmt, ist das schon sehr viel. Aber nehmen wir es ernst?

Kirche hilft bei Familiengründung

Was kann die Kirche tun für Menschen, die eine Familie gründen wollen und gerade dadurch soziale Probleme haben? Diese Frage schickt uns Milo Marlise Sediq (milo.sediq@t-online.de) Was kann der einzelne dabei tun?
Es gibt keine Patentanwort. Die Kirche hilft ja schon an manchen Stellen, aber leider kann sie nicht so viel tun, wie sie gerne tun würde. Die eigentliche Aufgabe der Kirche wäre, die Gemeinschaft und den Einzelnen zu einem christlichen Glauben zu führen, dass Solidarität entsteht. Diese sollte dann in Krisenfällen helfen. Der einzelne kommt manchmal in Lagen, wo nur Glauben hilft. In Mitteleuropa sind wir manchmal zu ängstlich und wollen uns zu sehr absichern. Menschen in anderen Ländern und Kontinenten vertrauen da schon viel mehr auf Gott und es geht dann oft auch – ohne dass man weiß, wie es gegangen ist. Also die Kirche soll für gesellschaftliche Solidarität sorgen, die dem einzelnen in schweren Lagen hilft und dem Einzelnen zum Mut aus dem Glauben verhelfen. Das würde ich so sagen auf diese Frage.
muss.

Krieg gerecht

Wozu Krieg, so die lapidare Frage von Harriet Nielsen aus Ismaning bei München. ER stellt sie im Zusammenhang mit dem Interview, das Papst Benedikt vor seiner Reise nach Deutschland gegeben hat und im Zusammenhang mit der Diskussion über Vernunft und Glauben, sowie das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen. (Adalperostra.5, 85 737 Ismaning)
Er möchte gerne wissen, Papst Benedikt zu den folgender Fragen steht: wie ist ein Krieg einzustufen – er trifft ja doch viele Zivilisten. Wie ist es zu verstehen, wenn Papst Benedikt sagt: Krieg ist kein Weg zum Frieden.
Die katholische Kirche lehrt seit geraumer Zeit, dass Krieg unmoralisch ist. Krieg verursacht so viele Wunden, so viele Verletzungen, durch Krieg sterben viele Menschen, Soldaten und Zivilisten. Er löst keine Probleme, er schafft Probleme. Auch widerspricht er der Ethik der Bergpredigt Jesu, der ganzen Lehre des Neuen Testamentes.
Das wurde früher von der Kirche tatsächlich anders gesehen. Die Kirche sieht heute, dass für die heutige Zeit Kriege auf jeden Fall aus moralischen Gründen auszuschließen sind. Die Kirche muss aber zugeben, dass sie früher Kriege auch aus dem Glauben heraus gerechtfertigt hat. Man hielt Kriege für notwendig und auch für moralisch gerechtfertigt. Daher hat die Kirche auch Waffen und Kreuzzüge gesegnet. Die Kirche heut hat mea culpa gesagt für die Kreuzzüge. Praktisch alle Christen wissen heute, dass man sich über die Kriege aus Glaubensgründen, also die Kreuzzüge schämen muss. Weil das so klar ist, hat Papst Benedikt vermutlich in Regensburg nicht noch einmal mea culpa gesagt und um Verzeihung gebeten. Jedenfalls hat sich die Sicht der Kirche auf Kriege völlig geändert.
Es gibt nur einen einzigen Fall, wo die Kirche eine kriegerische Auseinandersetzung nicht von vornherein ausschließt, das ist, wenn ein Gemeinwesen sich gegen einen ungerechten Angriff verteidigen muss. Nur Verteidigungskrieg kann gerechtfertigt sein. Aber dies auch nur unter strengsten Vorgaben: Der Angriff muss ungerecht sein. Es muss sich um einen ungerechten Angriff handeln, dann ist Verteidigung erlaubt. Zweitens: die Organisation, die das beurteilt, muss wirklich das Gemeinwesen, den Staat vertreten. Nicht jeder Privatbürger oder jede Partei kann entscheiden, ob ein Angriff gerecht oder ungerecht ist.
Drittens: Vor der kriegerischen Verteidigung müssen alle nicht militärischen Mittel ausprobiert worden sein. Viertens: Die Lage darf sich durch den Verteidigungskrieg nicht verschlechtern. Wenn von vornherein klar ist: wenn wir uns verteidigen, dann sind am Ende die meisten tot, dann ist die Verteidigung auch nicht gerechtfertigt. Es darf nicht Fanatismus oder eben Spinnerei sein.
Zusammengefasst: Die Kirche verurteilt kriegerische Auseinandersetzungen als moralisch verwerflich. Nur Verteidigung darf im Notfall sein.
Harriet Nielsen schreibt noch „Was meint der Herrgott mit Krieg? Was steckt hinter dieser Kraftäußerung eines Krieges?“
Ich verstehe die Frage nicht ganz, versuche dennoch etwas dazu zu sagen und schließe mich der Papstvorlesung in Regensburg an: er sagte: Gott ist rational und will Herz und Verstand des Menschen gewinnen. Daher geht er nicht gewaltsam, also mit Krieg vor, sondern über die Vernunft des Menschen. Gott lehnt Krieg ab. So verstehen wir heute den Vater Jesu Christi. Die Menschen im Alten Testament freilich haben noch geglaubt, Gott nutze auch Waffen um sein Reich auszubreiten. Seit Jesus Christus ist diese Überzeugung im Rückzug gewesen, aber es hat auch eine ganze Weile gebraucht, bis sie sich durchgesetzt hat. Die Menschheit hat dazu gelernt, auch die Christen haben dazu gelernt. Christen können auch sagen, dass sie von anderen Religionen gelernt haben. Das ist keine Schande. Die Kirche weiß auch, dass sich ihre obersten Vertreter, Päpste und Bischöfe im Lauf der Geschichte geirrt haben. Nicht nur Normalchristen haben sich geirrt, auch Amtsträger und damit de facto die ganze Kirche. Aber gottlob gab es dann und wann einen heiligen Franz von Assisi, der das Evangelium besser verstanden hat und der ganzen Kirche dann ein Stachel im Fleisch war.

Marienverehrung

Es gibt immer noch viele evangelische Christen, die nicht so recht verstehen, warum Katholiken irgendwie zu Maria beten, sie sogar anbeten. Wolfgang Piorek aus Wolfenbüttel schreibt uns: Neu war für mich, dass Maria nicht betet, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen, sondern um Gott noch größer werden zu lassen. Für mich als evangelischer Christ ist aber Jesus der alleinige Mittler zwischen Mensch und Gott.
Ich möchte versuchen, zu klären. Katholiken sind heute mit den evangelischen Christen einer Meinung, dass es nur einen einzigen Mittler zwischen Mensch und Gott gibt, nämlich Jesus Chrtistus. Das war immer schon so, aber die Kirche hat es vielleicht nicht immer klar genug gesagt. Dem widerspricht aber nicht, dass Katholiken auch zu Maria kommen, um sie zu bitten. Wohlgemerkt: sie beten Maria nie an. Das ist absolut verboten. Maria wird nicht angebetet. Kein Heiliger wird angebetet. Aber es ist ein Unterschied, ob ich jemanden anbete oder zu jemandem mit meiner Bitte komme. Ich darf auch Menschen nicht anbeten, aber ich darf ihn um Hilfe bitten. So darf der gläubige Mensch auch Christen im Himmel, also Heilige um Hilfe bitten. Das ist kein Anbeten. Und wenn ich mich an einen Heiligen wende, dann nicht, um Christus gleichsam zu umgehen, sondern um den Heiligen gleichsam als Advokaten, als jemanden neben mir zu haben, der mit mir Jesus bittet. Und Jesus vermittelt alles zum ewigen Geheimnis des Vaters.
Es stimmt also nciht ganz, was Wolfgang Piorek schreibt: man kann schon mit seinen Wünschen auch zu Maria kommen. Wenn man das tut, trägt man dazu bei, Gott gleichsam auch zu erhöhen. Dieses Wort ist mißverständlich, denn natürlich kann kein Mensch Gott etwa erhöhen. Aber sein Ruhm auf Erden kann vermehrt werden, wenn Menschen sehen, was Gott an uns wirkt oder wie wir an ihn glauben. Das vermehrt seinen Ruhm nicht im Himmel, aber es kann ihn vermehren auf der Erde.

Vom Beten geht Gutes aus

Wie kann vom Gebet etwas Gutes ausgehen. Muss man nicht eher sagen: nur Gott allein kann Gutes bewirken. So die kritische Frage zu einer Sendung von uns, die uns ein Karmeliter-Postulant namens Augustinus schickt (aug2831@t-online.de)
Natürlich ist die letzte Quelle alles Guten Gott selbst und nur Gott allein. Aber auch ein Christ darf glauben, dass vom Beten selbst Gutes ausgeht, also von einem menschlichen Tun. Gott ist so großzügig, dass er den Menschen teilnehmen lässt an seiner Fähigkeit, Gutes in die Welt zu bringen. Das gilt fürs Arbeiten und auch fürs Beten. Wir erfahren ja selbst, dass uns manchmal Beten wirklich gut tut, dass Beter auch positiv ausstrahlen auf Andere. Denken wir an Mutter Theresa. Man darf auch sagen: vom positiven Denken geht Gutes aus. Das schmälert nicht Gottes Kraft und Macht. Christen glauben an einen Gott, der großmütig teilnehmen lässt an seinem Gutsein und Gutes Tun.

 

Vatikan, Papst, römische Kurie...

Wer darf dem Papst eigentlich bei der Generalaudienz die Hand geben? Wird nur vorgelassen, wer viel gezahlt hat?
Gibt es einen Stellvertreter für den Papst, wenn er krank ist?
Der Papst sieht sich ja als Nachfolger des hl. Petrus. Aber war Petrus überhaupt mal in Rom?
Wie finanziert sich eigentlich der Vatikan? Nur mit unserer Kirchensteuer?
Warum tritt eigentlich nicht auch der Papst mit 75 Jahren zurück - so wie alle anderen Bischöfe?
Papstreisen - wie werden sie vorbereitet, und wer reist alles mit?
Warum versteckt der Vatikan sein Archivmaterial so lange vor der Welt?

Wer darf dem Papst eigentlich bei der Generalaudienz die Hand geben? Wird nur vorgelassen, wer viel gezahlt hat?

Der Papst sieht sich ja als Nachfolger des hl. Petrus. Aber war Petrus überhaupt mal in Rom?
Wieviele Personen arbeiten eigentlich im Vatikan?
D
er Papst verleiht angeblich nicht nur Orden, sondern auch eine so genannte Goldene Rose. Stimmt das? Und was muß man tun, um eine Goldene Rose vom Papst zu bekommen?
Wer gehört eigentlich zur "Päpstlichen Familie"?
Warum gibt es kein Vatikan-Fernsehen?

Fragen zur Schweizer Garde im Vatikan

 

Kirche, Christentum, Priester, Bischöfe...

Ist der Reichtum der Kirche nicht ein Skandal? Daran nahm doch schon Luther Anstoß. Warum verkaufen die Päpste ihre Kunstschätze nicht und geben das Geld den Armen?
Was bedeutet das Dogma der unversehrten Jungfräulichkeit Mariens? Was will die Kirche mit ihrem Lob der Ehelosigkeit erreichen?
Gibt es die Hölle überhaupt? Ist jemand drin? Wenn ja - wer?

Warum dauert es eigentlich immer so lange, bis eine Diözese einen neuen Bischof bekommt, nachdem sein Vorgänger in den Ruhestand gegangen ist?
Kann jeder Christ taufen? Ist die Taufe durch jeden Christen, ja durch jeden Menschen gültig und erlaubt?
Wo im Neuen Testament steht geschrieben, dass Christus die kirchliche Hierarchie selbst gewollt hat?

Priesterweihe für Frauen: Werden Frauen in der Kirche unterdrückt?
Mit welcher Begründung kann die katholische Kirche behaupten, dass sie allein im Besitz der Wahrheit sei und sie allein die wahre Lehre vertrete?
Warum ist die "Offenbarung nach Johannes" so grausam? Warum gehört sie überhaupt zur Bibel? Sie entstand doch lange nach den Evangelien.

Warum ist die Kirche immer so fortschrittsfeindlich?
Was ist von dem Begriff "Amtskirche" zu halten?

Gott, Jesus, Dreifaltigkeit...

Wo im Neuen Testament steht geschrieben, dass Christus die kirchliche Hierarchie selbst gewollt hat?
Gibt es die Hölle überhaupt? Ist jemand drin? Wenn ja - wer?
Wieso war es bei der Schöpfung schon hell, bevor es die Sonne gab? Wie ernst kann man den biblischen Schöpfungsbericht eigentlich nehmen?
Was bedeutet das Dogma der unversehrten Jungfräulichkeit Mariens?
Mußte Gott Blut sehen, um dem Menschen wieder gut zu sein? Geht Erlösung nur durch Opfertod?
Warum kann die Welt nur durch Leiden erlöst werden?
Ist Gott ein Mann?
Ist Gott wirklich allmächtig?
Darf man eigentlich den Versuch machen, Gott bildlich darzustellen? Widerspricht das nicht dem zweiten der 10 Gebote, Du sollst Dir kein Bild Gottes machen?
Warum zeigt die Kirche immer den gekreuzigten Christus und nicht den Auferstandenen?
Von wann bis wann lebte Jesus Christus, seit wann gibt es das Abendmahl?

Welt, Menschen, Politik...

Ist der Reichtum der Kirche nicht ein Skandal? Daran nahm doch schon Luther Anstoß. Warum verkaufen die Päpste ihre Kunstschätze nicht und geben das Geld den Armen?
Kann man nicht angesichts des Irak-Krieges den Glauben an Gott verlieren?
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Warum versteckt der Vatikan sein Archivmaterial so lange vor der Welt?
Warum diskriminiert die Kirche Homosexuelle?

Ökumene, Beziehungen zu anderen Kirchen...

Kann jeder Christ taufen? Ist die Taufe durch jeden Christen, ja durch jeden Menschen gültig und erlaubt?
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Abendmahl und Kommunion?
Mit welcher Begründung kann die katholische Kirche behaupten, dass sie allein im Besitz der Wahrheit sei und sie allein die wahre Lehre vertrete?
Ist Mission nicht Proselytenmacherei? Was bringt es, andere Menschen ihrem Glauben abspenstig zu machen?

Gerechtigkeit u. Frieden, Globalisierung, Solidarität...

Nutzt Beten gegen den Krieg?
Was ist ein "gerechter Krieg"?

Religionen, Weltanschauungen...

Mit welcher Begründung kann die katholische Kirche behaupten, dass sie allein im Besitz der Wahrheit sei und sie allein die wahre Lehre vertrete?
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Wie stehen die Christen zu den animistischen Religionen?

Ethik und Moral, Schutz des Lebens...

Was hält die Kirche von Sterbehilfe?
Was ist eigentlich ein Ablass?
Warum sollten Homosexuelle denn keine Kinder adoptieren dürfen?



... und hier sind unsere Antworten auf Ihre Fragen.

Wo im Neuen Testament steht geschrieben, dass Christus die kirchliche Hierarchie selbst gewollt hat?

Ich fange mal mit dem einfacheren Teil der Antwort an: Auf jeden Fall müssen alle, die in der Kirche eine leitende Position haben, dienen und zum Dienst bereit sein. In Kirche bedeutet Verantwortung nur Dienst und nicht Macht und Ehre. Dass die Wirklichkeit leider oft vom Ideal abweicht, ist kein Zweifel, aber man darf das Ideal deswegen nicht aufgeben. Und man braucht die Kirche deswegen nicht zu verlassen. Auch die Führungspersonen, die Jesus selbst berufen hatte, Petrus und die anderne Apostel, haben versagt. Aber Jesus hat sie trotzdem berufen. Deswegen sollten kirchliche Führungsleute öfter mal an die Brust klopfen und sie tun das auch immer wieder einmal.
Aber damit auch zur wichtigeren Frage: Wo im Neuen Testament steht geschrieben, dass Jesus Hierarchie gewollt hat? Im allgemeinen wird wohl geantwortet: Dass Petrus an die Spitze der Kirche berufen wurde, geht aus dem Jesus-Wort hervor: Du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Für die anderen Apostel könnte man unter anderem das Jesus-Wort anführen: Wer euch hört, der hört mich.
Ich glaube, dass man auf solche Worte aus dem Neuen Testament allein die Hierarchie in der katholischen Kirche nicht begründen kann. Sie ist aber wohl im ganzen Neuen Testament begründet. Man muss nur an ein paar Fakten erinnern, die so selbstverständlich sind, dass man sie übersieht.
Dass Petrus herausragt, geht aus vielen Texten des Neuen Testamentes hervor. Er ist der Kern, zu dem noch zwei weitere gehören Jakobus und Johannes. Um sie schließt sich der Ring der 12 Apostel. Jesus hat offenbar sie schon immer als die eigentlich Beauftragten, Verantwortlichen angesehen und als solche ausgesandt. Apostel heißt Gesendete. Und nur sie waren zum Letzten Abendmal geladen. Da gab es dann noch den weiteren Kreis der 72 Jünger, auch sie waren gesandt, aber doch in einem wesentlich abgestuften Sinn. Und sie alle gehörten zum Volk Israel. Um dieses Volk lebten die Völker, die Nicht-Juden. Jesus sieht sich im Grunde genommen grundsätzlich nur zu seinem Volk gesandt. Und er sendet anfangs die Apostel nur zu seinem Volk, erst nach seinem Tod und seiner Auferstehung werden sie zu allen Völkern gesandt, was Petrus und Paulus vorbildlich tun.
Nicht alle Menschen, gegenüber denen Jesus sich als Heiland und Befreier verhält, sind für ihn gleich. Für ihn gibt es Nähere und Fernere, auch wenn er alle liebt. Er heilt alle, aber beruft nicht alle. Diese verschiedene Nähe und Verantwortung setzt sich dann im Tun der Urkirche fort: Paulus und die anderen legen Berufenen die Hände auf. Das ist Übertragung von Verantwortung und Herabrufung der Hilfe Gottes, um diese Verantwortung im Sinne Jesu wahrnehmen zu können.
Man kann das ruhig Heilige Herrschaft nennen, also Hierarchie. Aber dies Herrschen muss ein Dienen sein - wie bereits gesagt. Die Kirche muss nicht demokratisch neu erfunden werden. Jesus hat sie in Grundstukturen festgelegt. Nur muss jede Christen-Generation auf die Herausforderungen der Gesellschaft und Kultur antworten, nicht mit Starrheit, sondern mit Argumenten. Es ist klar, dass demokratisch geübte Bürger auch in der Kirche demokratisch denken und fühlen. Ihr Bedürfnis nach Mitgestaltung muss ernst genommen werden, aber das heißt nicht, dass man die Kirchenstrukturen grundsätzlich ändern darf oder muss. Die Apostel in der Kirche müssen wahrnehmen, dass der Geist oft in den Normalchristen am Werk ist, vielleicht mehr als in den Berufenen.
Auf jeden Fall gilt: Wer viel Verantwortung hat, der muss auch näher beim Herrn sein - oder sich dazu von anderen verhelfen lassen. Es kommt darauf an, dass Christus herrscht; gegen ihn sind alle nur Knecht und Mägde.

Ist Gott ein Mann?
Gott ist kein Mann, Gott ist aber auch keine Frau, denn Gott ist überhaupt kein Mensch. Ich verstehe aber sehr wohl, dass die Frage auftauchen kann, denn erstens spricht Jesus im Neuen Testament von Gott als seinem Vater und er lehrt seine Jünger, Gott Vater zu nennen. Und zweitens wird Gott ja auch in der Kunst als Vater dargestellt – meist mit langem weißen Bart, eben als alter weiser Mann. Und dennoch: man kann nicht sagen, dass Gott ein Mann ist. Aber wir können nicht umhin, dass Jesus ihn Vater nennt und uns lehrt, dies zu tun. Wenn man über Gott spricht oder versucht, ihn sich vorzustellen, dann sind wir Menschen an menschliche Begriffe und Vorstellungen gebunden. Anders können wir gar nicht denken und reden. Aber wir sollten uns dabei immer wieder vor Augen führen: Gott ist ganz anders, Gott kann man sich überhaupt nicht vorstellen, Gott ist ein Geheimnis, ein unergründliches Mysterium. Machen wir uns klar: Wenn Gott Gott ist, dann ist er überall, dann ist er ganz drinnen in allen Dingen und doch gleichzeitig über allen Dingen, dann ist er unendlich groß, größer als das Universum und doch ganz klein, kleiner als jedes Atom, dann ist er unendlich weit weg von uns und doch unendlich nahe in uns drin, sodass er uns näher ist als uns selbst, Gott weiß alles um uns, längst bevor wir selbst es wissen, Gott war längst da, bevor irgendetwas bei einem Urknall entstand, Gott wird sein, wenn die Erde längst verglüht ist. Gott ist ein Du mehr als jedes menschliche Du und doch ist Gott gleichzeitig Macht und Stärke und Größe. Gott kann zu uns reden durch die Stimme unseres Gewissens, aber er kann auch schweigen, tiefer als der Meeresgrund. Gott ist ganz anders, ganz anders als wir. Wir können uns ihn nicht vorstellen und dennoch dürfen wir ihn Vater nennen, weil er für uns letztlich das Freundesgesicht Jesu trägt. Jesus war der liebste Freund für alle Menschen. Gott ist wie Jesus, Jesus ist der sichtbar gewordene Gott. Und schließlich ganz wichtig: Wenn überhaupt von Mann und Frau bei Gott gesprochen wird, dann muss man dreifach unterstreichen: Gott ist ebenso weiblich wie m
ännlich, ebenso mütterlich wie väterlich. Gott ist auch Mutter. So hat das einmal der unvergessene Papst Johannes Paul I. formuliert.

Wie viele Personen arbeiten eigentlich im Vatikan?
Gute Frage. Johannes XXIII. hat sie mal mit einem Witz beantwortet: "Ich vermute – sagte er – so ungefähr die Hälfte." Mittlerweile wissen wir es noch genauer als Papst Johannes: In der Römischen Kurie, also in der Verwaltung der Weltkirche, arbeiten derzeit 2.674 Menschen. Davon sind 755 Priester, 344 Ordensleute und immerhin 1.575 Laien – also mehr als die Hälfte von allen. Das sind die neuesten Zahlen.
Aber dann gibt`s ja noch die Vatikanstadt – das ist jetzt nicht der so genannte "Heilige Stuhl", der sich um die Angelegenheiten der Kirche weltweit kümmert, sondern ganz konkret das Städtchen rund um St. Peter, mit Bahnhof, Post, Apotheke usw. Diese Vatikanstadt hat genau 1.534 Angestellte – da sind auch Pförtner, Gärtner oder Verkäufer mit eingerechnet. Insgesamt also, kann man sagen, arbeiten im Vatikan etwas mehr als 4.000 Menschen. Es erübrigt sich wohl, zu sagen, dass nur ein Bruchteil von ihnen im Vatikan auch wohnt. Noch ein kleiner Hinweis: Radio Vatikan wird nicht zur Vatikanstadt, sondern zum Heiligen Stuhl gerechnet, also praktisch zum weltkirchlichen Teil. Es hat etwas weniger als 400 Mitarbeiter. Wir stellen also etwa zehn Prozent derer, die im Vatikan arbeiten.

Wer gehört eigentlich zur "Päpstlichen Familie"?
Keine Angst - das hat mit Nepotismus oder Klüngelei nicht viel zu tun. Die so genannte "Päpstliche Familie" umfasst Geistliche und Laien, die am Vatikan besonders wichtige Aufgaben haben – und zwar am Vatikan unter dem völkerrechtlichen Aspekt, dass er ein souveräner Staat ist. Wer zu dieser Familie gehört, hat Papst Paul VI. im wesentlichen festgelegt: der Verantwortliche des Staatssekretariats für allgemeine Angelegenheiten; der Sekretär des Staatssekretariats für Beziehungen zu den Staaten; der Almosenier des Papstes, der Präsident der vatikanischen Diplomatenakademie, der Theologe des Päpstlichen Hauses, die päpstlichen Zeremoniare, Ehrenprälaten und päpstliche Kapläne und der Prediger des Päpstlichen Hauses. Wenn mir dieses Urteil erlaubt ist: ein buntes Häufchen. Und der Laien-Teil der Päpstlichen Familie? Na ja, das wären u.a. der Kommandant der Schweizergarde, die Konsultoren des Vatikanstaats, der Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften; die Kammerherren des Papstes und so genannte Prokuratoren der Apostolischen Paläste sowie so genannte Ehrenkämmerer.
Ich darf aber nicht verschweigen, dass auf dieser Liste auch die Familienangehörigen des Papstes stehen. Tatsächlich. Das ist so. Nur hat das keine praktischen Auswirkungen mehr. Kein Cousin von Johannes Paul oder Benedikt hat je versucht, sich bei irgendeinem Staatsbesuch im Vatikan mit in den Apostolischen Palast zu schmuggeln. Die letzten Familienmitglieder eines Papstes, die man bei solchen Anlässen sah, waren Verwandte von Papst Pius XII. Mitte des letzten Jahrhunderts. In Italien erschien vor kurzem ein Bildband über die noch lebenden Geschwister von Papst Johannes Paul I. – da sieht man sehr einfache, ältere Leute auf norditalienischen Kuhwiesen stehen. Unvorstellbar, dass sie jemals versucht haben würden, in Rom auf "päpstliche Familie" zu machen.
Im übrigen hat Paul VI. ja auch angeordnet, dass der Laien-Teil der päpstlichen Familie nicht mehr an offiziellen Zeremonien der so genannten Capella Papale teilnehmen darf.

Warum zeigt die Kirche immer den gekreuzigten Christus und nicht den Auferstandenen?
So lautet die Frage von L.L. aus Ungarn. Er schreibt: "Christus ist von den Toten auferstanden. Das ist mein Glaube. Warum wird er von der Kirche wieder ans Kreuz geheftet? Überall in den Kirchen sieht man Kreuze mit dem Corpus Christi. Mir reicht die Antwort nicht, dass uns dies nur als Leiden Christi erinnern soll. Das ist doch nicht richtig. Seine Auferstehung, also Ostern ist doch viel, viel wichtiger. Noch wichtiger freilich ist seine Himmelfahrt. Denn ohne diese gäbe es kein Pfingsten. Tod und Auferstehung wären dann sinnlos. Also ist das Kreuz ein Symbol des Lebens und daran muß erinnert werden - aber dann eben ohne Corpus Christi."
Ich möchte mich gründlich damit auseinandersetzen. Zunächst: es ist ein interessantes Phänomen, dass das Kreuz bei den Ikonen der Ostkirche wesentlich weniger vorkommt als im Westen. Der christliche Westen hat sich im Lauf der Jahrhunderte sehr stark auf das Kreuz konzentriert. Und noch konkreter auf die Darstellung des am Kreuz leidenden Christus. In der Romanik z. B. wurde Christus ja eher als erhabener König am Kreuz dargestellt. Also es ist nicht so, dass die Kirche als Kirche während der ganzen 2000 Jahre und überall den am Kreuz leidenden und sterbenden Christus dargestellt hat. Ich erinnere an die Darstellungen Christi in den Absiden alter Kirchen als Richter, der denen zu seiner Rechten sagt: kommt und denen zu seiner Linken sagt: weicht von mir. Kommt dazu, dass man in berühmtem und großen Kirchen wie dem Petersdom in Rom oder dem Kölner Dom auch den Eindruck haben kann, es gebe alles Mögliche zu sehen nur kein Kreuz. Oder denken Sie auch an die Sixtinische Kapelle. Hier wird man lange suchen müssen, bis man ein Kreuz findet. Für mich ist eher die Frage, warum die westliche Christenheit sich im Lauf der Zeit derart auf das Kreuz mit dem leidenden Christus als zentrales Symbol konzentriert hat. Das ist m. E. ein Phänomen der Frömmigkeitsgeschichte, auch ein psychologisches und soziologisches Phänomen. Die Kirche als Ganze kann hier nur begrenzt steuern. So etwas wird primär nicht von der Kirchenleitung gesteuert, sondern von einem gemeinschaftlichen Bewußtsein oder Bedürfnis. Ich möchte hier einen Namen nennen, der in diesem Zusammenhang vielleicht oft vergessen wird, nämlich Franz von Assisi. Bekannt ist, dass er besonders die Krippe, die Geburt Jesu als leidendes Kind in den Mittelpunkt stellte. Weniger bekannt ist aber, dass für ihn auch das Kreuz Christi zentrale Bedeutung hatte. Krippe und Kreuz, das sind seine Angelpunkte. Und zur Zeit des Franz, das heißt zur Zeit der Gotik kommt eben auch die Darstellung des leidenden Christus. Der romanische Christus war herrschend, der gotische ist leidend. Weiter kommt dazu, dass die Auferstehung und der Auferstandene im Grunde noch viel schwerer oder gar nicht darzustellen sind. Es ist nicht unmöglich, aber für Künstler doch eine viel größere Herausforderung. Um zu einem Schluß zu kommen: Ich denke: Menschen, die den Glauben kennen und zu leben versuchen, können in der Darstellung des gekreuzigten Christus immer auch den Auferstandenen mit sehen. Je weiter aber jemand vom Glauben entfernt ist, desto eher sieht er oder sie eben nur den sterbenden, leidenden Christus am Kreuz. Oder - umgekehrt: wenn jemand - wie wohl auch der Schreiber dieses Briefes - nah am Glauben dran ist, dann kann er Anstoß daran nehmen, dass die Auferstehung nicht oder so selten ins Bild kommt - wie wenn es sie gar nicht gäbe. Ich kenne &uum